Wie dir die wichtigste Frage meines Lebens helfen kann, deine Berufung zu finden

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Wir alle haben es schon oft gehört: „Du musst nur deiner Berufung folgen, dann kommt das Glück wie von selbst“. Wie wir unsere Berufung finden, wird oft nicht erklärt. Und das hat auch einen Grund – das Verständnis dahinter ist so individuell wie wir Menschen selbst und vorgefertigte Lösungsbaukästen gibt es nicht.

Für den einen bedeutet es die Berufung zu leben, einer Tätigkeit nachzugehen die so erfüllend ist, dass er es den ganzen Tag lang machen könnte, weil es sich nicht wie Arbeit anfühlt. Und damit auch noch Einkommen generiert. Zum Beispiel als Arbeitnehmer, Selbstständiger oder Unternehmer.

Für andere bedeutet es eine Aufgabe zu haben, die man als Auftrag in sich sieht. Dies muss aber nicht zwangsläufig ein bezahlter Job sein. Es kann auch einfach bedeuten, sich nach der Arbeit ehrenamtlich im Tierheim zu engagieren.

Nur – wer weiß denn schon direkt nach der Schule, was ihn wirklich erfüllt?

Wir kommen auf die Welt als vollkommene Wesen, als pure Liebe und Bewusstsein. Und dann kommt etwas dazwischen: wir werden domestiziert. Er-zogen. Im Elternhaus, in der Gesellschaft, unserer Kultur, in der Schule. Und weil wir ja im tiefsten Ursprung einfach nur geliebt werden und uns zugehörig fühlen wollen, steht der Bändigung unseres wilden Wesens auch nichts im Wege. Alles wird zum Einheitsbrei. Wer nicht mitmacht, wird als komisch angesehen.

Kein Wunder also, dass wir bis zum Ende der Schulzeit nicht mehr wissen, was unser Geschenk an diese Welt ist. Und dass wir dann auf die Suche gehen dürfen, nachdem was uns erfüllt, falls es nicht mit der Profi-Fußball-Karriere oder dem Job als Musical-Darstellerin klappt.

Frage dich einfach, was dir Spaß macht! YOLO!

Es gibt wunderbare Übungen, um der eigenen Berufung näher zu kommen. Jetzt könnte man sagen, Frage dich doch einfach, was dir Spaß macht und suche einen Job, der genau diese Werte erfüllt. So einfach ist es aber leider nicht immer. Denn die Antwort darauf, was unser Herz erfüllt, ist nicht unbedingt die Aufgabe, zu der du dich nun vermeintlich berufen fühlst.

Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich war 10 Jahre lang Barkeeper, hatte tolle Arbeitgeber, super Positionen in den Unternehmen, durfte Teams bilden und bekam schmeichelhaft gute Rückmeldungen meiner Gäste. Aber ich wollte nicht mehr als Angestellte arbeiten sondern mir meine kostbare Lebenszeit frei und selbst einteilen. Mit einer eigenen Bar wären diese Ziele in den ersten Jahren nur bedingt möglich gewesen. Also kam ich auf die glorreiche Idee: Ich mache mich als Cocktailcaterer selbstständig. Ich erstellte also meinen Businessplan, fing an eine Webseite zu gestalten, akquirierte Kunden und schloss meine ersten Verträge ab. Ein wahnsinniges Gefühl. Endlich selbstständig – mein eigener Chef. Alles ist möglich! Und dann schlich sich ein Gefühl von „müssen“ ein.

Kennst du das, wenn du etwas eigentlich echt gerne machst, aber es entsteht dennoch ein Druck in dir? So ein Gefühl war das. Und weil ich es nur unterschwellig wahrnahm, schob ich dieses Gefühl von Druck auf meinen damaligen Job, mit dem ich mich ohnehin nie identifizieren konnte. „Brotjob“ hab ich ihn genannt. Nach einer Weile aber poppte eine Frage in meinem Kopf auf – und ich bin bis heute dankbar, für diese wichtigen Gedanken: „Warum genau hat dir die Arbeit an der Bar eigentlich so viel Spaß gemacht?“. Und dann war mir klar, warum sich mein Plan von der Selbstständigkeit nicht leicht und euphorisch anfühlte. Mir ist es in meiner Arbeit wichtig, dass Menschen freiwillig zu mir kommen. Kommen, weil sie gerne in meiner Gesellschaft sind. Zuhören, Gastgeber sein, einen Rahmen bilden, Erlebnisse gemeinsam erschaffen. Das alles war in meiner Berufslaufbahn als Barchef möglich – genau das hatte ich doch schon. Mit einem Cocktailcatering kommen die Gäste nicht meinetwegen, wollen nicht mit mir einen schönen Abend gestalten, sondern sind wegen einer Betriebsfeier, einer Hochzeit oder eines Geburtstages da. Der Wunsch, weg von etwas war größer als der Wunsch hin zu etwas. Ich hatte projiziert. Und deshalb ist die Aufgabe, die unser Herz erfüllt, nicht unbedingt die vermeintliche Berufung. Und somit tauchte die schwierigste aller Fragen für mich auf, deren Beantwortung fast 4 Jahre andauerte: Wer bin ich? Wer bin ich wirklich? Ohne meinen Job, meine Beziehungen, meine Lieblingsmusik, meinen Ruf, meine Familie, meine Besitztümer.

Die schwierigste Frage meines Lebens: Wer bin ich wirklich?

Die Berufung zu finden ist kein festgeschriebener Weg. Nein, nichts, dass man standardisierten kann. Nichts, bei dem man einfach seine Checklisten durchgeht und am Ende bekommt man ein Ergebnis berechnet. Aber manchmal sind wir auch einfach nicht bereit, weiter zu gehen. Tiefer zu gehen, uns selbst auf den Grund zu gehen.

Veränderung ist dann am wirksamsten, wenn sie auch ein bisschen weh tut.

Wie findest du deine Berufung?

Es ist egal, wie viele Jobs oder Businessmöglichkeiten du ausprobierst, du nimmst dich immer selber mit. Werde dir klar darüber, wer du wirklich bist. Es geht um die Freude am Sein – im Sein erschaffst du Dinge, im Sein wächst du über dich hinaus, im Sein BIST DU. Ich persönlich glaube daran, dass jeder von uns eine geheime Superkraft hat, die nur darauf wartet, von uns entdeckt zu werden. Aber ich glaube auch, dass wir mehr als nur eine Berufung haben. Und im Sein wird sie dir begegnen.

Wenn wir einem Ziel nacheifern, was nicht aus dem Sein heraus geboren wurde, legen wir uns auf dieses Ziel fest. Und lassen dadurch die vielen anderen Möglichkeiten wie Seifenblasen zerplatzen.

Traust du dich, dir selbst tief in die Seele zu schauen?

Eine Übung, um dein wahres Selbst besser entdecken zu können, klingt so banal und einfach, kann dich aber große Überwindung kosten:

Stelle dich vor einen Spiegel und schau dir selbst 5 Minuten lang in die Augen. Sei ganz bei dir und schau dich einfach an. Versuche, dich nicht abzulenken, indem du dir zum Beispiel selbst zulächelst. Mit einem Lächeln überdeckst du deine wahren Emotionen.

Die Übung ist dann am wirkungsvollsten, wenn du sie täglich wiederholst. Erinnere dich nur 5 Minuten am Tag daran, wer du wirklich bist. Du wirst dir Augenblick für Augenblick ein Stück näher kommen.

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