Visionssuche vs. Visionsfindung

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Wenn du dich mit persönlicher Weiterentwicklung beschäftigst, läuft dir der Begriff Visionsfindung früher oder später über den Weg. Oft dicht gefolgt vom großen Warum. Der Sinnfrage. Es langt ja heute nicht mehr, einfach nur glücklich und zufrieden mit sich selbst zu sein. Wir müssen auch groß denken, regelmäßig meditieren, im Einklang mit uns selbst und natürlich auch Tier und Umwelt sein, am besten vegan, fair und nachhaltig, Erfolg im eigenen Business haben und natürlich müssen wir auch auch Lean sein. Wir brauchen dringend unseren eigenen Tribe, sollten super aussehen und das ganze natürlich auch nach außen so präsentieren, mit einer Message, die die ganze Welt hören muss und von der Generationen nach uns noch gesprochen wird! Du brauchst dringend ein starkes Warum, sonst kannst du eh einpacken! Niemand wird dich ernst nehmen.

Mach! Dich! Locker!

Du bist okay, genauso, wie du jetzt bist. Wenn du dir im ersten, nicht ganz ernstgemeinten, Abschnitt nun dachtest, ja, ja, ja, will ich auch, aber vielleicht etwas überfordert bist mit all den Erwartungen, die du an dich selbst stellst, fang einfach mal klein an. Denke groß. Aber fang klein an.

Oft höre ich im Zusammenhang mit der Visionsfindung gut gemeinte Tipps, wie „Überlege dir, wie dein Leben sein sollte, damit es für dich perfekt ist.“ Und da liegt der Hase schon im Pfeffer. Du kannst deinen großen Lebenstraum nicht finden, in dem du mit dem Kopf danach suchst. Die größten Ideen und Erfindungen der Menschheit sind nämlich nicht aus dem Verstand geboren worden, sondern aus der Intuition. Die Intuition ist die Brücke zwischen deinem Herzen und deinem Handeln. Der Verstand ist ein Werkzeug. Albert Einstein lag oft stundenlang in der Badewanne, um in völliger Entspanntheit zu sein und damit seinen Kopf auszuschalten. Er spielte mit Seifenblasen, um seiner Intuition zu begegnen.

Also nochmal: Mach! Dich! Locker!

Vielleicht kennst du das: Du suchst nach einer Antwort oder einer Idee und es fällt dir nichts dazu ein. Du schläfst eine Nacht drüber, kommst aber dennoch nicht zu einem Ergebnis. Als du die Hoffnung auf dein Resultat schon fast aufgegeben hast, stehst du plötzlich in der Dusche und eine Gamma-Welle schießt durch deinen Kopf: Da ist sie. Die Antwort, nach der du so krampfhaft gesucht hast, ist nun da. Ganz präsent. Und du fragst dich, warum du erst jetzt darauf kommst. Die Antwort ist einfach: Du hast aufgehört zu suchen.

In Osho’s Buch über Intuition habe ich eine ganz wunderbare Geschichte über intuitives Verhalten gelesen, sie geht in Etwa so:

Ein Dieb war kurz vor seiner Rente angelangt und wollte sein Handwerk nun an seinen Sohn weitergeben. So brach er eines Nachts mit seinem Sohn in ein Haus ein. Er erklärt ihm, wie man ein Türschloss leise öffnet und eine Minute später stehen die beiden schon im Haus. In der Mitte des Flurs steht eine große Holztruhe. Der Vater sagt seinem Sohn, er solle hineinklettern und schauen, ob sich etwas darin befindet, das es wert ist, gestohlen zu werden. Der Sohn klettert also hinein und als er mit seinem ganzen Körper darin steckt, verschließt der Vater den Deckel der Truhe und macht einen solchen Lärm, der alle im Haus aufweckt und verschwindet. Der Sohn ist verärgert, wütend und schockiert. Er überlegt, wie er nun wieder aus dieser Situation rauskommen solle. Es vergeht eine ganze Weile, während der Sohn sich immer wieder aufs neue darüber aufregt, was sein Vater ihm da nur angetan habe. Er würde niemals dort rauskommen, ohne dass man ihn bemerkte oder ihn gar die Polizei als Einbrecher abführen würde, dachte er bei sich. Völlig versunken im Mitleid zu sich selbst legt er sich ab und plötzlich kommt die zündende Idee: Er beginnt zu miauen, wie ein Katze. Mit einer Kerze in der Hand öffnet die Haushälterin die Kiste, der junge Nachwuchsdieb pustete die Kerze aus und rennt schnell zur Türe raus. Er wirft noch einen schweren Stein in einen Brunnen unweit des Hauses entfernt, sodass die Hausbewohner davon ausgehen, der sicherlich betrunkene Einbrecher sei in den Brunnen gesprungen. Und so entkommt er der Situation.

Wie eine Katze zu miauen ist die, wie ich finde, denkbar unlogischste Reaktion – aber sie funktionierte. Und genau das ist der Unterschied, zwischen Intellekt und Intuition. Du kannst alles lernen, was du willst – wirklich alles ist für kleines Geld oder sogar kostenlos zu erlernen. Etwas zu ver-stehen und Ein-Sicht zu erlangen, ist eine ganz andere Sache.

"Einsicht ist ein Zustand ohne Gedanken. Wann immer ihr etwas einseht, seht ihr es in dem Augenblick in dem Keine Gedanken mehr da sind" Osho.

Lege dich in die Badewanne und spiele mit Seifenblasen. Oder gehe an einen Ort, an dem du alles vergessen kannst, was dich gerade beschäftigt und mache dann die Schaukelstuhlübung:

Verbinde dich mit dir – du kannst dich beispielsweise auf deinen Atem konzentrieren. Wenn Gedanken aufkommen, nehme sie nur wahr. Beurteile sie nicht. Lass sie weiterziehen wie Wolken. Dann gehe gedanklich auf eine kleine Reise: Stell dir vor, du bist 100 Jahre alt und blickst, in deinem Schaukelstuhl sitzend, auf ein langes, glückliches Leben zurück. Welche Bilder kommen dir da in den Kopf? Was siehst du? Welche Beziehungen sind und waren in deinem Leben. Was ist nicht mehr da, was aktuell noch in deinem Leben ist? Wie sahen deine schönsten Tage aus? All das, schreibst du auf. Nimm dir ein großes Stück Papier mit, und schreib und male alles auf, was du gesehen hast.

Fühle dann mal hinein: Was ist dir besonders wichtig? Du kannst deinen Finger auf einen Punkt legen und dich fragen: „Wie wichtig ist mir X?“. Und überraschenderweise wirst du eine Antwort erhalten. Vielleicht reagierst du körperlich mit dem Gefühl von Freude oder aber auch mit Druck. Alles darf da sein. Wenn du mit Druck reagierst, lass den Punkt erstmal außen vor. Du kannst dich im Nachgang noch einmal fragen: „Ist das wirklich mein Wunsch?“. Auch hier wirst du eine Antwort erhalten. Unsere Intuition ist so viel klüger als wir.

Was würde der Sohn des Diebes tun?

Das könnte der erste Schritt zu deinem metaphorischen I have a dream sein. Und es ist dabei völlig egal, ob du die ganze Welt verändern willst oder deine Welt. Oft werden Visionen auch mit Zielen gleichgesetzt. Wenn du dir Ziele setzt, legst du deine Zukunft fest und verpasst dadurch all die anderen möglichen Chancen. Einer Vision zu folgen hingegen, ist ein Lebensstil. Sie ist offen.

Mach! Dich! Locker!

Wenn du das Gefühl hast, du kommst gerade nicht weiter, frage dich doch mal „Was würde der Sohn des Diebes tun“? Und dann lass los. Wie du gemerkt hast, führt Druck nur zu Gegendruck. Die Antwort wird dich finden, wenn du bereit bist zu finden. Und aufgehört hast, zu suchen.

Hör auf zu suchen. Fang an zu finden.

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